UNESCO-Welterbestätten im Geo-Naturpark

Gleich vier UNESCO-Welterbestätten befinden sich in der Region des Geo-Naturparks: Im Norden die Grube Messel und die Mathildenhöhe Darmstadt, im Westen das Kloster Lorsch und im Osten der Obergermanisch-Rätische Limes. Dies unterstreicht einmal mehr die besondere Qualität der Region, ihre geschichtliche und kulturelle Bedeutung. Mit den Partnern der UNESCO-Welterbestätten pflegt der Geo-Naturpark seit vielen Jahren einen regen Austausch. Ihre kontinuierliche Zusammenarbeit soll den Besuchern anhand besonderer Aktionen und Veranstaltungen aufschlussreiche, informative und spannende Einblicke in die Region und deren erdgeschichtliche, naturräumliche und kulturelle Entwicklung geben.

UNESCO-Welterbe Grube Messel

Das UNESCO Welterbe Grube Messel stellt ein einzigartiges Archiv der Tier- und Pflanzenwelt, des Klimas und der Umweltbedingungen vor 47 Millionen Jahren dar. Von 1884 bis 1962 wurde der Ölschiefer der Grube Messel zur Rohölgewinnung abgebaut. Mit der Anzahl spektakulärer Fossilfunde in Verbindung mit einer neuen Präparationstechnik wuchs der wissenschaftliche Wert und Bekanntheitsgrad der Grube. Dennoch sollte sie nach dem Abbauende als Mülldeponie dienen. Dies konnte jedoch nach Jahre währenden Auseinandersetzungen Dank des herausragenden Engagements, insbesondere von Messeler Bürgern, Wissenschaftlern und dem Land Hessen verhindert werden. Im Jahr 1995 wurde die Grube Messel von der UNESCO als Deutschlands erstes Weltnaturerbe ausgezeichnet.

Seit dem Jahr 2003 besteht eine enge Zusammenarbeit mit dem Geo-Naturpark, die  eine breite Palette von Aktivitäten umfasst. So fungiert das Besucherzentrum „Zeit und Messelwelten“ als nördliches Eingangstor zum Geo-Naturpark. Im Jahr 2010  wurde die Grube als einzigartiges Fenster in die Entwicklungsgeschichte der Erde und des Lebens als Geotop des Jahres ausgezeichnet. Gemeinsame Publikationen und Vorträge in der Region und auf internationaler Ebene oder Messebesuche, wie etwa die ITB Berlin, gehören zur Zusammenarbeit ebenso dazu wie die Entwicklung gemeinsamer Angebote und Produkte: Als Teil unseres Bildungsauftrages erschien im Jahr 2021 das beliebte Quartett-Kartenspiel „Mit der Zeitreisen-Crew auf Tour“ im neuen Design und im Jahr 2022 kam ein weiteres, neues Kartenspiel „ABC-Freunde werden“, gemeinschaftlich von beiden Teams entwickelt, hinzu.

Die Geowerkstatt mit den Geopark-Rangern lädt dazu ein, sich den Themen der Grube Messel (Regenwald, Vulkanismus, Fossilien, Zeit) spielerisch zu nähern. Auch mit weiteren Partnern werden Projekte in Angriff genommen. Seit 2017 besteht die Zusammenarbeit mit dem Verein für Internationale Waldkunst Darmstadt. Im Rahmen des Global Nomadic Art Projects (GNAP) ermöglicht die Grube Messel Künstlern den Zugang zu ihren fossilen Schätzen als Inspirationsquelle. Vier Kunstwerke aus den Jahren 2020 und 2021 verschönern zudem das Außengelände des Besucherzentrums. Auch die Kooperation mit dem UNESCO Global Geopark Lesbos wurde ausgebaut: Im Jahr 2021/2022 luden wir unseren griechischen Partner mit der Ausstellung “Klimawandel verstehen: Die Bedrohung heutiger Ökosysteme im Spiegel der Erdgeschichte“ zum internationalen Wissensaustausch ein.

Weitere Informationen:
welterbe-grube-messel.de

UNESCO-Welterbe Kloster Lorsch

Seit dem Jahr 1991 als Welt-Kulturerbe ausgezeichnet, wurde das Kloster Lorsch, zu dem neben der Königshalle, dem Kloster Altenmünster, der Zentscheune und dem Kirchenrest auch der Klosterhügel mit dem Kräutergarten gehört, in den vergangenen Jahren umfangreich umgestaltet. Zu dem nun als Welterbe Areal Kloster Lorsch zusammengefassten Ensemble ist eine weitere Attraktion hinzugekommen: das Archäologische Freilichtlabor Lauresham. Durch die „Kulturachse“ fußläufig mit dem Kloster verbunden zeigt es authentisch und wissenschaftlich untermauert einen karolingischen Herrenhof aus dem 8. Jh. So schaffen die Gestaltung der Häuser, die Darstellung verschiedener Handwerke sowie die Nachbildung des Herrenhauses nebst Kapelle eine besondere Atmosphäre.

Seit vielen Jahren verbindet das Kloster Lorsch eine enge Kooperation mit dem Geo-Naturpark – vom ersten Deutschen Welterbetag, der im Jahr 2004 in Zusammenarbeit stattgefunden hat, über die Mitwirkung bei der Ausbildung von Geopark-Rangern bis hin zur gemeinsamen Ausstellung „Der Auerochse – eine Spurensuche“. Hieraus hat sich eine Tradition in der gemeinsamen Ausrichtung des Welterbe- und Geo-Naturaprktages entwickelt, der jährlich am ersten Sonntag im Juni stattfindet.

Die Zusammenarbeit mit dem Kloster umfasst aber auch kunst- und kulturorientierte Projekte wie die Kunstausstellung „Päonie – die Blume Chinas“, bei der auch die Stadt Lorsch, der UNESCO Global Geopark Mt. Lushan (China) und der UNESCO-Geopark Naturtejo (Portugal) mit im Boot waren.

Im Jahr 2021 beherbergte das Museumszentrum die Fotoausstellung „West-Östliche Impressionen“, welche zugleich regionalen wie auch internationalen Charakter hatte: So wurden die 20 besten Fotos einschließlich der drei Gewinner des Fotowettbewerbs “(M)ein Blick in den Geo-Naturpark“ gemeinsam mit den besten 20 Fotos des langjährigen Partner-Geoparks Mt. Lushan (China) gezeigt. Und die Brücke der „West-Östlichen Impressionen“ bilden Fotos und Kalligraphien rund um das Thema „Pfingstrose“ als verbindendes Element zwischen Welterbe, beiden Geoparks und der Pfingstrosenstadt Lorsch.

Angesichts der Mitgliedschaft in UNESCO-Programmen haben beide Institutionen auch schon weitere Ideen zur künftigen Zusammenarbeit – ganz im Sinne der Region und auch der internationalen Gemeinschaft.

Weitere Informationen:
kloster-lorsch.de

UNESCO-Welterbe Obergermanisch-Rätischer Limes

Der Obergermanisch-Rätische Limes berührt die Region des Geo-Naturparks ganz im Osten zwischen Walldürn und Osterburken. Das im Jahr 2005 ausgezeichnete Welterbe gehört zum flächenhaft größten Bodendenkmal Europas. Mit 550 km Länge zeichnet der Limes die Grenzlinie zwischen dem ehemaligen „Imperium Romanum“ und dem freien Germanien nach – und bildet zusammen mit dem Hadrianswall in Großbritannien (Welterbe seit 1987) das grenzüberschreitende Welterbe „Grenzen des Römischen Reiches“.

Relikte der einstigen Großmacht sind in der Region zahlreich vertreten – neben den Wachtürmen und Kastellen direkt am Limes bietet vor allem das Römermusem in Osterburken zusammen mit dem Limespark rund um das ehemalige Kastell einen umfassenden Überblick zu den Funden aus der Römerzeit. Nachbauten wie der begehbare Limesturm und Palisaden sowie der auf einer Strecke von 1000m erhaltene Limeswall vermitteln einen Eindruck von der einstigen Größe der Anlagen.

Die „Limes Cicerones“, eigens für die Vermittlung des Welterbes ausgebildete Führer, bieten regelmäßig Veranstaltungen an. Einige der Mitglieder gehören auch der Geopark-vor-Ort-Gruppe Walldürn an und laden dort zu Wanderungen und Aktionen am Limes ein. Qualifizierte Führungen zu den römischen Relikten in der gesamten Region, wie etwa die Villa Haselburg bei Höchst, das Römerbad Würzberg, der römische Steinbruch am Felsenmeer oder der Zullestein bei Biblis, bietet ein Team von didaktisch geschulten Römerführern an. Deren Ausbildung wurde vom Geo-Naturpark und Hessen-Archäologie gemeinsam mit der Odenwald-Tourismus und regionalen Experten durchgeführt.

UNESCO-Welterbe Mathildenhöhe Darmstadt

Nachdem die Stadt Darmstadt bereits Mitglied im UNESCO Global Geopark ist, beherbergt sie seit Juli 2021 mit der Mathildenhöhe nun auch ein UNESCO-Weltkulturerbe. Diese wurde in das „Erbe der Menschheit“ als ein herausragendes Beispiel für experimentelle Architektur des frühen 20. Jahrhunderts, bestehend aus Hochzeitsturm, Ausstellungsgebäude, Museum Künstlerkolonie, Platanenhain und Künstlerhäusern, aufgenommen.

Das Areal Mathildenhöhe wurde bereits im 19. Jahrhundert als Garten des großherzoglichen Hofes angelegt und nach Mathilde Karoline Friederike von Wittelsbach, der Gemahlin Großherzogs Ludwig III., benannt. Großherzog Ernst Ludwig gründete 1899 die Künstlerkolonie auf der Mathildenhöhe, die Darmstadt zu einem Mittelpunkt des Jugendstils und der europäischen Kunstentwicklung machte. Geschaffen mit dem Ziel einer Reform, die Kunst und Leben zusammenführt, drückt sich im Wirken der Künstlerkolonie der Aufbruch in die Moderne durch eine experimentelle Architektur, eine neue Raumkunst und zukunftsweisendes Design aus. In der Folge von vier Ausstellungen (1901, 1904, 1908 und 1914) entstand auf der Mathildenhöhe eine Reihe zukunftsweisender Bauten mit Ausstattungen vom Mobiliar bis zum Geschirr, eingebettet in eine Parkanlage mit Skulpturen, Brunnen und Gartenpavillons. Bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges wirkten auf der Mathildenhöhe insgesamt 23 Künstler, darunter namhafte Persönlichkeiten wie Joseph Maria Olbrich, Peter Behrens oder Hans Christiansen.

Die Mathildenhöhe kann im Rahmen von Führungsangeboten der Stadt Darmstadt besucht werden.

Weitere Informationen:
mathildenhoehe.eu

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