Natur und Landschaft

Wenn man sich die Landschaften ansieht, die sich im Geo-Naturpark vereinen, kann man sich unschwer vorstellen, dass wir es hier nicht mit einem einheitlichen Klima zu tun haben: zu groß sind die Höhen- und damit die Temperaturunterschiede. Ausgehend von der Rheinebene im Westen über die kuppige, der Sonne zugewandten Bergstraße, dem kristallinen Odenwald, dem Buntsandstein-Odenwald bis hin zum Bauland ganz im Osten des Gebietes resultieren die Unterschiede im Landschaftsbild und der Vegetation aus dem Zusammenspiel von Geografie, Klima und Geologie.

Rheingraben und Bergstraße gehören zu den wärmsten und klimatisch mildesten Gebieten in ganz Deutschland. Die Rheinebene ist für ihren Spargelanbau berühmt. Bis Mitte des letzten Jahrhunderts befand sich hier ein bedeutendes Tabak-Anbaugebiet. Hier finden wir auch die größten Auenwaldrelikte am Oberrhein: Hessens größtes Naturschutzgebiet „Kühkopf-Knoblochsaue“.

Die schmale, sich in Nord-Süd-Richtung erstreckende Landschaft der Bergstraße ist als untere warme Hangzone des Westrandes des Odenwaldes gekennzeichnet. Der warme Luftstrom aus der Rheinebene und die sonnenverwöhnten Hangzonen am Westrand des Odenwaldes tragen dazu bei, dass Mandeln, Kirschen, Aprikosen, Forsythien und Magnolien meist zwei Wochen früher blühen als in unseren Breiten üblich. Und dass man hier Wein kultivieren kann, wussten schon die Römer, die Weinbau an der „Strata Montana“, der Bergstraße, betrieben. Kaiser Joseph II befand über die Bergstraße: „Hier fängt Deutschland an Italien zu werden!“

Der Vordere oder kristalline Odenwald ist der gegenüber der Rheinebene tektonisch herausgehobene und freigelegte Grundgebirgsstock des Odenwaldes im Höhenbereich von 200 bis 605 m ü. NN. Die höchste Erhebung ist die Neunkircher Höhe mit 605 m ü. NN, eine markante Landmarke am Westrand bildet der Melibokus mit 517 m ü. NN. Die Landschaft ist geprägt durch ein sehr fein verzweigtes Gewässernetz mit zahlreichen Quellbächen und Fließgewässern sowie stark miteinander verzahnte Kleinstrukturen aus Hecken, Feldgehölzen, Sukzessionsflächen, zahlreiche Streuobstwiesen, Hohlwege und Magerrasen. Es wechseln sich größere Waldgebiete (Eichen, Buchen und Edellaubhölzer) mit Offenlandgebieten (Ackerland im Norden, im Süden Grünland) ab. Eine Besonderheit stellen die Blockschuttüberlagerungen an steilen Hängen, die „Felsenmeere“ mit typischen Blockschuttwäldern dar.

Im sich anschließenden hinteren oder Buntsandstein-Odenwald dominiert der Mischwald. Er liegt in Höhen zwischen 150 und 550 m und ist durch großräumige, Nord-Süd gerichtete Talstrukturen gegliedert. Er beherbergt mit einer Höhe von 626 m auch die höchste Erhebung des gesamten Geo-Naturpark Gebiets, den Katzenbuckel: ein ehemaliger Maar-Vulkan, der durch Abtragungsprozesse freigelegt wurde. Den Bereich südlich des Neckars bezeichnet man „Kleinen Odenwald”. Die deutlichen Landschaftsgrenzen sind durch den unterschiedlichen Gesteinsuntergrund vorgezeichnet, was sich bis hin zu markanten Klimaunterschieden fortsetzt. Im Gegensatz zum Vorderen Odenwald, in dem Mischwald dominiert, finden sich im hinteren Odenwald Waldflächen mit hohem Nadelholzanteil. Die waldfreien Flächen werden meist als Grünland genutzt.

Das sich östlich anschließende Bauland ist von Offenland geprägt und erreicht Höhen von 150 m ü. NN im Bereich des Neckar bis zu 400 m ü. NN auf den Bergrücken. Begrenzt wird es im Westen durch das Neckartal und im Norden durch den Odenwald. Der Gesteinsuntergrund besteht aus Muschelkalk, der stellenweise mit Lettenkeuper und in Muldenlagen mit Lösslehm überdeckt ist. In der Landschaft wechseln sich stark zertalte Bereiche und Hochflächen ab, entlang derer die Wasserscheide von Main und Neckar verläuft. Typisch sind Karsterscheinungen, wie beispielsweise das Dolinenfeld bei Hettingen, Karstquellen wie die Morrequelle oder auch Höhlensysteme wie die Eberstadter Tropfsteinhöhle bei Buchen.Neben den weiten Offenlandbereichen gibt es vereinzelt großflächige Waldinseln. Ackerbau ist die landschaftsdominierende Nutzungsform. In den Talauen und Tieflagen findet intensive Grünlandwirtschaft und Obstbau statt. In den Bachtälern finden wir wertvolle Feucht- und Nasswiesen. Auf den wasserarmen Hochflächen und an den Sonnenhängen sind Wacholderheide, Halbtrockenrasen und Kalkmagerrasen landschaftsprägende Elemente.

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